*Yes we didn’t (Bäm) – Auswertung der linksradikalen Gegenaktivitäten (Kundgebung an der Wagnerstr.) gegen den Naziaufmarsch vom 02.06.2012 in Hamburg-Wandsbek*

Die Gegenaktivitäten anlässlich des Naziaufmarsches am 02.06. sorgten in vielerlei Hinsicht für zahlreiche gute Momente. Leider endete die linksradikale Mobilisierung mit dem Kessel an der Wagnerstr. In einem Desaster. Der folgende Text soll die Geschehnisse an diesem Punkt aus Sicht des autonomen-antifaschistischen Bündnisses „Keine Zukunft fürNazis“ (im Folgenden aaB) selbstkritisch reflektieren.

Unsere Vorbereitung auf den 02.06. war von Anfang an geprägt von dem Gedanken einer eigenständigen linksradikalen Mobilisierung. Gleichzeitig waren die geführten Diskussionen durch die Frage dominiert, ob und inwiefern das aaB mit dem Hamburger Bündnis gegen Rechts (HBgR) zusammenarbeiten sollte. Dabei wurden zunächst inhaltliche Vorbehalte aufgrund der Mitgliedschaft bestimmter Gruppen/Parteien im HBgR thematisiert, wobei es innerhalb des aaB jedoch unterschiedliche Meinungen bzw. Ansätze gab. Darüber hinaus gab es verschiedene Standpunkte dem im HBgR formulierten Aktionskonsens gegenüber, der in Anlehnung an das Dresdener Blockadekonzept davon sprach, dass von den Gegenaktivitäten keine Eskalation ausgehen sollte. Auch wurde die Befürchtung formuliert, dass linksradikale Positionen in einem großen Bündnis untergehen könnten. Die Gegenmeinung hierzu betonte wiederum die Dringlichkeit eines breit angelegten, strömungsübergreifenden Bündnisses. Aus Gründen der Konsensfindung entschied sich das aaB schließlich für das Konzept einer kritischen Solidarität mit dem HBgR. Dies beinhaltete das respektvolle Nebeneinander verschiedener Aktionsformen. Unser Konzept war, ebenso wie das des HbgR, auf Massenaktionen ausgelegt. Durch eine angemeldete Kundgebung sollte es einen Anlaufpunkt für unorganisierte geben und die Möglichkeit, öffentlich ansprechbar zu sein. Zudem sollte ein weiteres Ziel der Mobilisierung sein, mit möglichst vielen Menschen auf die Demoroute der Nazis zu gelangen.

Im Nachhinein betrachtet ist deutlich geworden, dass die Diskussion um die Frage zum Umgang mit dem HBgR und der Vereinbarkeit von Aktionsformen zu viel Zeit in Anspruch genommen hat und das als Folge davon die Frage nach konkreten Abläufen zu kurz kam. Dieser Aspekt und die Gestaltung eines ambivalenten Aktionsansatzes (Also der legalen Komponente einer Anmeldung in Kombination mit der offensiven Verhinderung des Naziaufmarsches) führten letztendlich zu einer Unkonkretheit nach innen und außen. Zudem wurde offensichtlich, dass der Versuch einer eigenständigen linksradikalen Mobilisierung an einen separaten Kundgebungsort, unsere Strukturen extrem angreifbar gemacht hatte, indem es den Bullen erleichtert wurde, ihren Fokus auf uns zu legen. Zudem haben wir es versäumt, alternative Konzepte ausreichend zu erwägen und in die Planung mit einzubeziehen.

Zu diesen konzeptionellen Mängeln kamen Fehler in der Durchführung. So führten letztendlich Fehlkommunikationen dazu, dass örtliche Fehleinschätzungen getroffen wurden. Aus gleichem Grunde hielten wir auch zu lange an dem Massenkonzept fest und gingen nicht zu dezentralen Aktionen über. Weiterhin muss die Wahl des Kundgebungsortes, der sich als ungeeignet entpuppte, selbstkritisch hinterfragt werden – nach der Ablehnung des ursprünglichen und der kurzfristigen Zuweisung eines neuen Kundgebungsortes durch die Bullen, fehlte uns die Flexibilität, hierauf adäquat reagieren zu können.

Die genannten Aspekte führten dazu, dass die Bullen am 02.06 ein leichtes Spiel mit unseren Strukturen hatten. So muss geschlussfolgert werden, dass unser Konzept an dem Tag nicht aufgegangen ist. Dennoch kam es trotz des Kessels zu zahlreichen militanten Aktionen. Zudem erreichten die Massenblockaden des HBgR überwiegend ihre gewünschte Wirkung. So kann der Tag insgesamt als weitgehend erfolgreich betrachtet werden, da die Nazis nur eine abgeänderte Route laufen konnten. Zudem diese Route nur durch einen massiven Bulleneinsatz und dennoch nur ansatzweise durchgesetzt werden konnte. Der Erfolg muss also in Relation gesehen werden, zum ausgeprägtem politischen Willen des Senats und der Bullen, diesen Naziaufmarsch durchzusetzen.

Danke, an alle die am 02.06 in Hamburg-Wandsbek waren.

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